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Die IVCG

 
Ausgabe 01/12 

Wiederherstellung oder Neuwerdung

Bei unseren guten Wünschen für einen Kranken gibt es durchaus Abstufungen. Von der Kraft, den heutigen Zustand zu ertragen, über die gute Besserung bis hin zur kompletten Wiederherstellung des früheren Zustands gibt es unzählige Zwischenschritte. Die rasch als Redewendung dahin geworfene ‘gute Besserung’ ist nicht das Einzige – und nicht einmal das Beste, was wir einem Kranken wünschen können.

Die Verlegenheit kommt bei der Rückfrage: »Und was genau ist das Beste?« Im Einzelfall mag es bei einem lebenssatten, schwerkranken lieben Angehörigen sogar der Wunsch nach einem gnädigen, schmerzfreien Sterben sein; häufiger geht es natürlich darum, dass die Krankheit gebannt wird, die Folgen der Krankheit verheilen und die alte Lebensfreude zurück kommt. Der Wunsch nach einer völligen Wiederherstellung des früheren Zustands geht jedoch ohne Eingreifen Gottes nicht in Erfüllung. Auch wenn wir uns nach einer durchlebten und überwundenen Krankheit jünger fühlen: An Jahren sind wir seit Ausbruch der Krankheit älter geworden… Die Menschen leben, wie alle anderen Geschöpfe der Natur, in einem Fortschreiten der Zeit. Sie werden, salopp ausgedrückt, alle vierundzwanzig Stunden einen Tag älter und damit auch ihr Körper. Völlige Wiederherstellung wäre dann so etwas wie die Uhr zurückdrehen …

In uns lebt der Wunsch nach Leben, nach einem vollen, satten Leben; das ist gut so und richtig. Aber das Leben hat eine Richtung: Am Ende des Lebens steht der Tod. In unserer Kultur wird der Tod als Katastrophe, als großer Spielverderber wahrgenommen, dem es zu entfliehen gilt. Manfred Lütz schreibt: »Man versucht, ihm mit Turnschuhen davonzulaufen, ihn hinauszuzögern oder am besten ganz zu verhindern. Um den Tod zu vermeiden, nimmt man sich das Leben. Und am Ende steht auf dem Grabstein: Er lebte still und unscheinbar und starb, weil es so üblich war.« – »Verrückt sind die, die nur vorbeugend leben, um dann gesund zu sterben. Denn auch wer gesund stirbt, ist definitiv tot.« – Franz von Assisi dagegen nennt den Tod in seinem ‘Sonnengesang’ Bruder. Das Wissen, dass am Ende des Lebens der Tod steht, gibt dem Leben seine Würze.

Soweit also spannt sich der Bogen unterschiedlicher Wahrnehmung jenes Zustands, den wir in der Regel der ‘guten Besserung’ entgegen stellen: des Todes als Spielverderber oder lebenslanger, brüderlicher Begleiter des Lebens – hin zu einem neuen Leben in neuer Qualität. Was hier in wenigen Zeilen skizziert wird, ist die Grundfrage des Lebens überhaupt.

Ein so weit gespannter Bogen regt an zum Gespräch, ja zur Auseinandersetzung. Die IVCG bemüht sich, genau dafür Raum zu schaffen: Bei einem anregenden Vortrag mit der Möglichkeit der Rückfrage, beim Gespräch in kleiner Runde, vor einem Kaminfeuer ebenso wie im Konferenzraum eines Unternehmens… In achtzig Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz lädt die IVCG zu einer vielfältigen Palette von Angeboten, mit dem einzigen Ziel, Menschen in Verantwortung Perspektiven einer biblischen Antwort auf diese Grundfragen zu skizzieren. Mehr kann und will die IVCG nicht. Insbesondere will sie Ihnen nichts ‘verkaufen’, weder in wirtschaftlicher noch in geistlicher Dimension. Sie will zur Suche, zum Nachdenken anregen. Schritte, wenn überhaupt, muss jeder Einzelne selber tun. Man könnte auch sagen: Verantwortliche Menschen nehmen andere verantwortliche Menschen als verantwortliche Menschen wahr. Welche Antworten der Einzelne auf die Grundfragen des Lebens gibt – das muss er selber verantworten.

Übrigens: Die Botschaft von Jesus Christus ist herausfordernd. Jesus bietet keine ‘gute Besserung’ an, nirgends. Sein Angebot: Neuwerdung. So jedenfalls steht es im 3. Kapitel des Berichts von Johannes über Leben und Sterben von Jesus, und an vielen anderen Orten der Bibel.

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Rechtsanwalt, Ex-Präsident der IVCG; Mitarbeiter in Verlag und Redaktion von ‘reflexionen’ verheiratet mit Margrit Wyss, zwei Töchter, eine Enkelin

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